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Die Privatinsolvenz ist in Deutschland ein Thema, über das die Schuldner nicht gerne reden. Sie schämen sich und möchten am liebsten alles tun, um diesem Verfahren aus dem Weg gehen zu können. Wer einmal die Privatinsolvenz in Deutschland durchlaufen muss, fühlt sich oft, als hätte er einen Stempel aufgedrückt bekommen. Die Privatinsolvenz hat deshalb einen so schlechten Ruf, weil aufgrund des gesellschaftlichen Tabus nur wenige Informationen wirklich bekannt sind. Darum möchten wir Ihnen alle wichtigen Informationen über die Privatinsolvenz zukommen lassen. Hier erfahren Sie alles über die Kosten und die tatsächlichen Folgen der Privatinsolvenz. Denn es handelt sich dabei um ein Verfahren, das Ihnen hilft, aus den Schulden raus zu kommen, wenn Sie sie alleine mit Ihrem Einkommen und ohne fremde Hilfe nicht mehr bewältigen können.


Voraussetzung für die Privatinsolvenz

Um das Verfahren in Deutschland eröffnen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Für die Insolvenz für Verbraucher, auch Verbraucherinsolvenzverfahren genannt, dürfen nicht weniger als 20 Gläubiger existieren, bei denen Sie Schulden haben. Oder aber Sie sind selbstständig oder betreiben ein Kleingewerbe. Hinzu kommt, dass die Forderungen gegen Sie nicht aus fälligen Gehältern Ihrer Angestellten bestehen. Bevor die Verbraucherinsolvenz in Kraft treten kann, müssen Sie außerdem nachweisen, dass eine Außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern nicht zu einem beidseitig durchführbaren Ergebnis führen konnte. Den Nachweis dafür müssen Sie dem Antrag auf Verbraucherinsolvenz durch einen Anwalt oder Schuldnerberater beifügen. Bei der Schuldnerberatung können Sie so eine Bescheinigung kostenlos ausstellen lassen. Stellen Sie sich hier aber auf eine lange Wartezeit ein. Die wichtigste Voraussetzung für ein Insolvenzverfahren ist aber die eidesstattliche Versicherung. Das bedeutet, Sie müssen Ihr gesamtes Vermögen und Ihr Einkommen gegenüber dem Gericht offen legen, damit alle Faktoren Ihrer Schulden berücksichtigt werden.


Wie beantrage ich die Privatinsolvenz?

Der Antrag auf ein Verbraucherinsolvenzverfahren bedeutet nicht nur, dass Sie die genannte Bescheinigung mit einem Anwalt oder Schuldnerberater bei Gericht vorlegen. Es steht Ihnen im Ablauf viel Arbeit bevor, die Sie am besten selbst oder mit Hilfe der Schuldnerberatung zusammentragen. Zusätzlich geben Sie eine Erklärung ab, dass all Ihre Angaben voll und ganz der Wahrheit entsprechen. Ein Antrag auf Restschuldbefreiung muss ebenfalls ausgefüllt werden. Zu diesem Punkt kommen wir später in diesem Ratgeber. Sie müssen alle Gläubiger und Summen der Schulden auflisten und Ihr komplettes Einkommen angeben. Ein Schuldenbereinigungsplan, den Sie mit der Schuldnerberatung oder Ihrem Anwalt erarbeiten, muss zusätzlich vorgelegt werden. Ist das Gericht der Ansicht, dass auch ein gerichtliches Verfahren nicht zielführend ist, wird ein Treuhänder engagiert und die eigentliche Privatinsolvenz beginnt. Dieser ist für die nächsten Jahre Ihr erster Ansprechpartner und vermittelt zwischen Ihnen und den Gläubigern.


Vorteile und Nachteile der Privatinsolvenz

Wer Privatinsolvenz beantragen muss, der muss mit Vor- und Nachteilen rechnen. Das Image der Verbraucherinsolvenz verheißt zunächst zwar nur Nachteile, aber die Insolvenz hat auch Vorteile. Es gibt beispielsweise das Existenzminimum, das Ihnen einen Teil Ihres Einkommens erhält, sodass Sie monatlich nicht bettelarm dastehen. Sinn der Pfändungsgrenze – übrigens auch für Selbstständige – ist, dass ein Schuldner die Chance bekommen soll, seine Überschuldung selbst abzutragen. Die Kosten des Verfahrens werden von der Schuldnerberatung getragen. Mit der Privatinsolvenz haben Sie die Möglichkeit, ganz von vorne anzufangen. Nach dem Verfahren sind Sie vollkommen Schuldenfrei, können das Leben wieder genießen und unter Menschen gehen. Nachteil der Verbraucherinsolvenz ist, dass Sie unangenehme Gespräche führen müssen. Klären Sie Ihren Bankberater über das Insolvenzverfahren auf, da Kredite und Konten gekündigt werden müssen. Auch Ihr Arbeitgeber muss von der Verbraucherinsolvenz erfahren, da Ihr Gehalt bis zur Pfändungsgrenze einbehalten wird. Ein weiterer Nachteil ist, dass ein Wechsel Ihrer Strom- und Internetanbieter schwieriger wird, wenn Sie einmal in der Privatinsolvenz gefangen sind.

Was ist die Wohlverhaltensphase?

Die Wohlverhaltensperiode ist der Zeitraum der ersten drei Jahre. In diesen Jahren müssen Sie ganz besonders auf Ihre Finanzen achten und sich an strenge Regeln halten, die nach deutschem Recht festgelegt wurden.In den drei Jahren der Wohlverhaltensperiode müssen Sie monatlich Ihre Schulden begleichen und dürfen keine neuen Forderungen gegen Sie entstehen lassen. In dieser Zeit müssen Sie auch jede zumutbare Arbeit annehmen, die Sie kriegen können. Die monatliche Tilgung zahlen Sie allerdings an den Treuhänder und nicht, wie sonst angenommen, an die Gläubiger selbst. Alle Neuentwicklungen in Ihrem Einkommen sowie den Ausgaben müssen dem Treuhänder vorgelegt werden.


Wie lange dauert die Privatinsolvenz?

Die Wohlverhaltensperiode dauert drei Jahre. Viele nehmen an, dass nach den drei Jahren auch die gesamte Privatinsolvenz abgeschlossen ist. Das ist nicht so. Danach dauert es noch einmal drei bis fünf Jahre, bis das Verfahren komplett beendet und aus der Schufa gelöscht ist. Erst dann kann der Schuldner dank der Restschuldbefreiung sein Leben komplett wieder selbst bestimmen. Alle Schulden, die nach Ablauf der Privatinsolvenz noch bestehen, werden dem Schuldner durch die Restschuldbefreiung nicht einfach erlassen. Das Schuldverhältnis ruht aber und Sie können mit Hinweis auf die Restschuldbefreiung einen Schuldenerlass bei den Gläubigern beantragen. Wenn das Verbraucherinsolvenzverfahren beendet ist, sind Sie endlich frei und können finanziell unabhängig und schuldenfrei in ein neues Leben starten.